Zeitungsschau

Moped „Habicht“

Liebe Leser, anlässlich des Jahrestages des Mauerfalls erreichen uns Briefe von Menschen, die ihre Erlebnisse aus dieser Zeit schildern.

Mein Vater hatte damals ein Grundstück in Klein Langerwisch, heute würde man sagen in MeckPom. Da war ich mit meinem alten Klassenkameraden Balli im Juni 1981 zu Besuch. Prima Wochenende und man konnte auch schon mal mit 16 Jahren 1- 2 Bier vertrinken. Mein „Alter“ war da nicht so. Am Sonntag mussten wir aber mit meinem „S 51“-Top-Moped wieder nach Berlin zurück.
Leider schiffte es wie aus Kannen. Wahrscheinlich einfach klimaneutraler Regen, wie er damals noch einfach vom Himmel gefallen ist. Und das im Juli! Jedenfalls kam die Frage auf, wie man diesem „Unwetter“ begegnen könne, ohne dass man sich im Wasser auflösen würde.
Mein Vater hatte da eine super Idee: „ Ihr müsst euch von oben bis unten in Zeitungspapier einkleiden, das hält sicherlich das Wasser ab“. Gute Idee, ich hatte zwar das Gefühl, dass ich so kaum noch ein Moped lenken könnte, aber wir fuhren los.

Es schiffte ohne Unterbrechung weiter. Ich hätte mir in meinem alten Integralhelm, Scheibenwischer gewünscht und Balli überhaupt was auf dem Kopf … 
Das Wasser lief konsequent in Berechnung der Geschwindigkeit eines Mopeds zum Fahrtwind minus Erdanziehungskraft an uns runter. Irgendwann waren wir so durchnässt, dass wir auf der Raststätte Walsleben anhalten mussten. Pitsche-patsche-nass!
Erst mal was Warmes bestellt!  Was es war, weiß ich heute nicht mehr, jedenfalls warm.
Dann kam uns die einzige vernünftige Idee, wenn das mit den Zeitungen ja bis hier, mehr oder weniger bis gar nicht, funktioniert hatte, könnte man die doch hier versuchsweise wenigstens mal wechseln. Irgendwann hatte die hübsche Kellnerin begriffen, was wir meinten. „Aha, ihr wollt die nassen gegen trockene Zeitungen tauschen.“ – „Ja!“
Sie kam mit einem ganzen Stapel Zeitungen, den sie wahrscheinlich in dem Moment den Jungpionier-Altstoffsammlern geklaut hatte, an den Tisch.
Bezahlt und ab auf´s Klo zum Austausch der nassen Blätter gegen trockene Blätter. Das Problem bestand eigentlich schon darin, sich von den nassen „Einlegern“ zu befreien. Jedenfalls fummelten wir alles um. Nasses „ND“ gegen trockene „Märkische“. – „Was hast du noch für schöne Zeitungen?“ – „Hätte noch ´nen „Volksanzeiger“ im Angebot. Aber nur im Tausch gegen großes „ND“.“
Jedenfalls waren wir wieder halbwegs trockengelegt. Auf ging´s wieder auf die Autobahn!

Nach ca. 3 km überholte uns erst ein westdeutscher Reisebus und dann ein roter Lada. Wir weiter mit unserer Reisegeschwindigkeit von ca. 65 km/h. Ich dachte in dem Moment noch: „Aha, roter Lada und Reisebus.“ Der Bus fuhr aber weiter und man winkte uns raus. Nanu?Zollkontrolle!
In dem Moment habe ich über geklaute Teile, aufgebohrten Auspuff, runtergedrehte Blinker und den fehlenden Helm von Balli nachgedacht. Aber weit gefehlt!

Zoll: „Sie waren auf der Raststätte Walsleben“- „Ja“- „Sie haben da eine Kellnerin kontaktiert.“- „ Nö, eigentlich haben wir uns nur bedienen lassen. Die war nett und hübsch! Kontaktiert hat nicht geklappt, Schade. Und?“
Zoll: „Werden Sie hier mal nicht komisch! Was haben Sie für Zeitungen auf der Raststätte  übernommen?“
Die Frage fanden wir wiederum noch viel komischer!
„ND“, „Märkische Volkstimme“ und andere tolle Tageszeitungen.“
Zoll: „Und was ist mit den Zeitungen, die Sie sich an die Wand hängen wollen?“
Jetzt mussten wir uns festhalten vor lachen! „Klar, ich habe schon mein halbes Zimmer mit „ND“ tapeziert, mir fehlt noch ein Teil.“ 
Das fanden die Zöllner, oder war es doch die Stasi- oder alles zusammen, allerdings dann nicht mehr lustig und wurden ein wenig garstig.
„Sie haben bestimmt Westzeitungen an der Raststätte übernommen.“ Jetzt schwante es uns erst um was es ging.  Hatten wir natürlich nicht. Schade eigentlich! Aber vielleicht in dem Moment auch besser. Jedenfalls mussten wir uns bis auf die Hose entkleiden und versuchten nun die Sache mit den Zeitungen zu erklären.
Einer der komischen Zöllner brabbelte dann was in sein Funkgerät, worauf eine verknarzte Rückmeldung kam, wo ich mir sicher war, dass er die auch nicht verstanden hatte. Bedächtige Ruhe und keiner äußerte sich zu irgendwas.
Jedenfalls durften wir uns auf einmal wieder anziehen und man wünschte uns noch eine gute Weiterreise. Toll! Jetzt waren wir ja eh nass, bis auf die Knochen! 
Hätten sie mal lieber den blöden Reisebus angehalten!

Was mir damals und bis heute bitter aufgestoßen ist, dass man uns entweder bei der Übergabe der Zeitungen oder auf dem Klo beobachtet hatte. Wenn im Osten nichts funktioniert hat, die Überwachung hat jedenfalls lückenlos funktioniert.

Tatsachenbericht. Der Autor ist der Redaktion bekannt.