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Überlegungen zum Biesdorfer Denkmalstreit

von Werner Wiemann

In Bezug auf das Biesdorfer Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs verbreiten die GRÜNEN und ihr Umfeld schon wieder Fake News. So zitiert bspw. die taz, dass der ursprünglich von der Weltkugel oben auf dem Denkmal auffliegende Adler „den Weltherrschaftsanspruch verkörpert“.

Das zeigt Unbildung sowohl bezüglich der Geschichte als auch der Theologie. Selbst eine nicht sehr in die Tiefe gehende Beschäftigung mit deutscher Geschichte von 1871 bis 1922 (dem Jahr, in dem das Biesdorfer Denkmal errichtet wurde) lässt erkennen, dass damals an so etwas wie Weltherrschaft in Deutschland niemand dachte. Man strebte nach einem Platz an der Sonne, also nach Kolonien, wie sie andere europäische Mächte auch hatten. Auf das Militär als Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen zu setzen, war damals selbstverständlich. Und man sah sich umklammert von anderen Mächten, die diesen Platz streitig machen wollten. Militärbündnisse, die jeweils von der Gegenseite überfallen zu werden befürchteten, prägten die Zeit. Und die Erinnerung an die fast ganz Europa erfassenden napoleonischen Kriege war noch lebendig. 

Wer sich näher mit dieser Zeit befassen will, kann das sehr gut mit Hilfe des Buchs „Die Schlafwandler“ von C. Clark tun. Clark untersucht die Motivationen und politischen Bestrebungen, die in den beteiligten Ländern schließlich in den Krieg mündeten. Von einem Streben nach Weltherrschaft ist da nichts zu finden. Man stärkte das eigene Militär, weil man so Gegner abschrecken wollte. Und ein zukünftiger Krieg galt als selbstverständlich und unvermeidbar. Das war halt das Denken der Zeit, auch wenn wir heute das anders sehen.

Obwohl auch frühere Kriege mit furchtbaren Gemetzeln einhergingen, hatte der 1. Weltkrieg doch eine ganz andere Dimension des Tötens. Auch wer als Freiwilliger 1914 in den Krieg zog, verlor seinen Enthusiasmus sehr rasch. Kameraden durch Granaten zerfetzt im Schützengraben sterben zu sehen, das war nicht das, was man als Heldentod im Kopf hatte. Das Buch „Im Westen nichts Neues“ beschreibt diese Situation richtig. Und auch die vielen Tausende, die „kriegsversehrt“ als Krüppel überlebten, fühlten sich kaum als Helden. Wohl aber als durch das Land, für das sie gekämpft hatten, nicht genug gewürdigt.

In den vielen Familien derer, die auf den Schlachtfeldern von Ypern oder Verdun umgekommen waren, blieb den Angehörigen kein Grab, um daran zu trauern. Um den Unmut dieser Menschen zu dämpfen, wurden Denkmäler wie das in Biesdorf errichtet. Einen Weltherrschaftsanspruch in diesem Zusammenhang zu halluzinieren, ist einfach absurd und ahistorisch.

Auch theologisch ist die in der Taz zitierte Interpretation von Pfarrer Justus Schwer nicht zu halten. Jesaja 40.31 spricht von dem Adler, der auf seinen Schwingen das Auffahren zum Herrn symbolisiert. Vielleicht liegt das Studium schon zu lange zurück, so dass er sich an diese wichtige Stelle (und andere) nicht mehr erinnert. Und dass der Adler von der Erde auffliegt, die vom Herrn gemacht und sein ist, dürfte doch wohl selbstverständlich sein. Angesichts der nicht vorhandenen Grabstellen.

Man muss also schon ziemlich ideologisch verbohrt sein, um eine so abwegige Interpretation wie Weltherrschaftsanspruch durch den Adler und Umkrallen(!) der Weltkugel von sich zu geben. Und als Theologe nicht die Bedeutung des Adlers in der christlichen Ikonographie auf dem Schirm zu haben. Kein Wunder ist es auch, wenn ein Gemeindekirchenrat, der durch den vermeintlichen Experten Pfarrer so fehlinformiert ist, dann Beschlüsse gegen das Denkmal fasst. Das macht sie aber nicht besser und richtiger. 

Wie wäre es denn, wenn die Gemeinde, die ja die „fragwürdige“ Denkmalinitiative ablehnt, eigene Veranstaltungen dort macht. Sie könnte – und sollte! – diese zivilgesellschaftliche Initiative in ihr Gemeindeleben integrieren. Auch könnte sie bspw. dort des Leides der Zivilbevölkerung gedenken, denen Väter Söhne, Brüder, Ehemänner und damit oft der Ernährer genommen waren. Und damit eine Verbindung zu unserer eigenen Zeit herstellen, in der z.B. junge Männer als Soldaten an den Hindukusch, nach Mali und anderswo auf der Welt geschickt werden, um dort ihr Leben zu riskieren. Das Denkmal 11 Monate im Jahr gar nicht zu bemerken, damit stellt sich der Pfarrer also ein praktisch-theologisches Armutszeugnis aus. Die Ressourcen auf Kirchengrund sollte er besser für die Gemeindearbeit nutzen. Und durch das Wegräumen der Blumen – dem Vernehmen nach vor dem Verwelken – kann einem die Gemeinde nicht überlastet erscheinen. Fazit in bezug auf den Pfarrer: Bei ihm muss dringend eine Nachschulung in Geschichte, Bibelkunde und praktischer Theologie erfolgen, einhergehend mit einem großen Maß an Ideologiekritik. Sonst kann eine Verbesserung der Gemeindearbeit nicht erwartet werden.

Auch die Arbeit der taz-Journalistin ist fragwürdig. Bei halbwegs sorgfältiger Arbeit hätte ihr auffallen müssen, dass das Argumentieren mit einem Weltherrschaftsanspruch 1922 schlicht Unsinn ist. Und der grüne Abgeordnete Stephan Zillersollte nicht gegen die Billigung vernünftiger Anträge der AfD in der BVV hetzen. Richtige Anträge bleiben zustimmungswürdig, unabhängig vom Einreicher. So hält es die AfD-Fraktion in der BVV Marzahn-Hellersdorf jedenfalls seit je. Auch wenn Anträge von den GRÜNEN oder Linken kommen. Und die albernen Spielchen, einen guten Antrag minimal zu verändern, damit er nicht mehr ein AfD-Antrag ist, nerven doch nur. Zudem merkt Stephan Ziller nicht einmal, dass er sich mit seinem Aufruf nach Thüringen an „Demokraten“ gegen die AfD unbedarft des von den Nationalsozialisten gepflegten Brauchs der „Sippenhaft“ bedient. „Stimmt keinem Antrag der AfD-Fraktion zu!“ gehört zur gleichen Kategorie wie „Kauft nicht bei Juden!“

Ignatio Silone erweist sich so als Prophet. „Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ Und die Wähler werden sich ihr eigenes Bild von denen, machen, die gute den Bürgern nutzende Anträge aus ideologischen Gründen ablehnen, ohne Scheu, sich nationalsozialistischer Denkweisen zu bedienen.